Halbierte Gewinne: Der Motor stottert
Es ist ein Blutbad in Stuttgart. Der operative Gewinn von Bosch ist innerhalb eines Jahres von 3,1 auf 1,7 Milliarden Euro eingebrochen. Das klingt immer noch nach viel Geld, aber für einen Giganten mit 91 Milliarden Euro Umsatz ist das Kleingeld.
Die Gewinnmarge fiel auf lächerliche 1,9 Prozent. Die Ursache? Bosch macht Milliardenumsätze, behält aber kaum etwas ein. Das Unternehmen muss sogar 2,7 Milliarden Euro zurückstellen, allein um den massiven Stellenabbau zu bezahlen (22.000 Mitarbeiter wurden entlassen).
Die Sanierung kostet Gold. Die Ziele für 2027 wurden bereits in die Tonne getreten. Es handelt sich nicht mehr um einen Einbruch, sondern um ein strukturelles Versagen des Ertragsmodells.
Der Euro ist der stille Killer
Die meisten multinationalen Unternehmen weinen Tränen über den schwachen Dollar, aber Bosch macht es anders. Laut Finanzvorstand Markus Forschner ist das Problem nicht der Dollar, sondern der grundsolide Euro. Das klingt widersprüchlich, aber es ist so: Bosch kauft weltweit mehr ein als es in Dollar verkauft.
Sie bauen Fabriken in den USA (billig bei einem schwachen Dollar), müssen aber ihre Produkte in Europa verkaufen, wo die Kosten in teuren Euros anfallen. Der Währungseffekt frisst die Margen dort auf, wo sie stehen. Bereinigt um die Wechselkurse wäre der Umsatz immer noch gut gewachsen, aber in der harten Realität der Buchhaltung bleibt nichts unter dem Strich.
CEO dreht sich um 180 Grad: „Europa muss Grenzen schließen“.
Die auffälligste Nachricht kommt jedoch vom Big Boss selbst. Stefan Hartung, normalerweise ein kühler Verfechter des Freihandels, ändert seinen Kurs drastisch. In Handelsblattspricht er sich plötzlich offen für Protektionismus aus. Er will „Local-Content-Regeln“, also Quoten für Produkte, die in Europa hergestellt werden müssen.
„Es gibt keine Antwort auf die protektionistische Politik unserer Handelspartner“, klagt er. Damit schließt er sich nahtlos an den Betriebsratsvorsitzenden Frank Sell an, der bereits in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im letzten Monat warnte, dass Europa die Tore für China weit öffnet („Scheunentor“), während die eigene Industrie abgewürgt wird. Dass nun sowohl in den Betrieben als auch in den Vorstandsetagen um eine Wirtschaftsmauer um Europa gebettelt wird, zeigt, wie tief die Panik ist.
Was bedeutet das für Ihr Auto?
Bosch stellt alles her, von Ihrem Scheibenwischer bis zum Chip, der Ihr ABS steuert. Wenn das Unternehmen Abstriche machen muss – und das wird es, vor allem in Deutschland, wo bereits 6.500 Mitarbeiter entlassen wurden -, dann werden Sie das merken. Weniger Innovation, billigere Materialien oder einfach höhere Preise für Teile.
Der „Schmerz“, von dem CEO Hartung spricht, wird unweigerlich an die Autohersteller (BMW, Mercedes, Volkswagen) und letztlich an Sie weitergegeben. Die deutsche Automobilindustrie, die einst unschlagbar war, bröckelt aus den Nähten. Und Bosch ist der Kanarienvogel in der Kohlenmine, der gerade vom Stapel gelaufen ist.
