In Brüssel wird der Diesel als eine Technologie der Vergangenheit betrachtet. Die Umweltzonen werden immer strenger und die Hersteller stoppen massiv die Entwicklung von Selbstzündungsmotoren. Aber auf der anderen Seite der Welt denkt man ganz anders. China, Spitzenreiter beim elektrischen Fahren, präsentiert eine neue Dieseltechnologie, die die europäische Industrie sehr nervös machen könnte.
Es scheint die entgegengesetzte Welt zu sein. Seit Jahren hören wir, dass die Zukunft vollelektrisch ist und dass China dabei eine Vorreiterrolle spielt. Europäische Marken wie Volkswagen und Volvo schwören dem Dieselmotor ab und setzen ganz auf Plug-in-Autos und Batterietechnologie. Doch während der Absatz von reinen Elektroautos stagniert und der Markt für Hybride wieder anzieht, kommt eine Überraschung aus dem Osten.
Das chinesische Unternehmen Yuchai, ein Name, der hier noch wenig bekannt ist, hat einen Dieselmotor vorgestellt, der die Spielregeln ändert. Dabei handelt es sich um eine Stromquelle für Nutzfahrzeuge, die ein fortschrittliches System für Elektrofahrzeuge mit verlängerter Reichweite (EREV) nutzt. Wo wir Diesel mit schwarzen Rußwolken und Scheinsoftware assoziieren, sieht China ihn als effiziente Lösung, um die Reichweite zu erhöhen und den Verbrauch drastisch zu senken.
Die Technologie hinter dem Anspruch
Die Chinesen behaupten, dass ihr neuer Antriebsstrang den Kraftstoffverbrauch um bis zu 50 Prozent senken kann. Das sind Zahlen, von denen europäische Ingenieure nur träumen können. Der Trick liegt in der Kombination eines Dieselmotors mit einem elektrischen System und einem Schwungrad.
Anstatt dass der Dieselmotor die Räder direkt antreibt, fungiert er als Generator. Dadurch läuft der Motor ständig mit seiner effizientesten Drehzahl, entkoppelt von der Fahrgeschwindigkeit. Ein elektrisches System, das von einem Schwungrad unterstützt wird, sorgt dann für den eigentlichen Antrieb.
Dieses Schwungrad nimmt Energie auf und gibt sie wieder ab, um Verbrauchsspitzen zu glätten und Erschütterungen des Antriebsstrangs zu vermeiden. Das Ergebnis ist ein Motor, der viel weniger Teile hat, weniger verschleißanfällig ist und vor allem viel sparsamer ist.
Europa wird ins Abseits gedrängt
Das Schmerzliche an dieser Geschichte ist, dass Yuchai kein kleiner Akteur ist, der in einem Schuppen herumspielt. Sie haben bereits Partnerschaften mit einer Abteilung von Rolls-Royce und liefern Teile an Giganten wie Dongfeng und BAIC. Während europäische Politiker damit beschäftigt sind, Verbrennungsmotoren bis 2035 zu verbieten und strenge Euro 7-Normen einzuführen, entwickelt China im Stillen Innovationen an allen Fronten: Elektro-, Hybrid- und Dieselmotoren.
Es zeigt, dass die Chinesen nicht nur auf ein Pferd setzen. Sie haben verstanden, dass sie für Schwertransporte und lange Strecken immer noch die Energiedichte von Diesel benötigen. Elektro-Lkw haben immer noch mit schweren Batterien und langen Ladezeiten zu kämpfen. Indem sie die Dieseltechnologie mit der Elektrifizierung koppeln, schaffen die Chinesen einen Hybrid, der sauberer und kraftstoffeffizienter ist als alles, was wir hier noch zu entwickeln wagen.
Wenn diese Motoren bald ihren Weg in Lieferwagen und Lastwagen finden, könnte der europäische Logistiksektor bald gezwungen sein, chinesische Fahrzeuge zu fahren. Nicht, weil sie elektrisch sind, sondern weil ihre Dieselmotoren einfach überlegen sind. Das ist eine harte Lektion für Europa: Wer aufhört zu innovieren, weil die Politiker den Kurs ändern, wird irgendwann links und rechts überholt.
