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Die Schweiz stellt ein gigantisches, 2.000 Kilometer langes Tunnelnetz fertig, um den Lkw-Verkehr von der Straße zu nehmen

Während wir uns in den Niederlanden seit einem Jahrzehnt um einen Abschnitt der A27 streiten, haben die Schweizer in aller Stille ein ganzes unterirdisches Reich aufgebaut. Unter idyllischen Berggipfeln liegt ein Netz von mehr als

Geschrieben von Nick ter Arkel am 4 März 2026

Cooper.ch, via Wikimedia Commons - CC BY-SA 2.5

Während wir uns in den Niederlanden seit einem Jahrzehnt um einen Abschnitt der A27 streiten, haben die Schweizer in aller Stille ein ganzes unterirdisches Reich aufgebaut. Unter idyllischen Berggipfeln liegt ein Netz von mehr als 1.400 Tunneln mit einer Gesamtlänge von 2.000 Kilometern. Das Ziel dieses größenwahnsinnigen Projekts? Die Lastwagen von der Straße zu drängen und das Klima zu retten, ohne dass Sie es merken.

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Die Maulwurfshügel von Europa

Es klingt wie Science-Fiction, ist aber Realität. Wenn Sie alle Schweizer Tunnels (Schiene, Straße, Wasser, Strom) aneinanderreihen, landen Sie in Südspanien. Das Prunkstück ist die NEAT (Neue Eisenbahn-Alpentransversale), deren König der Gotthard-Basistunnel ist. Mit 57 Kilometern ist er der längste Eisenbahntunnel der Welt.

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Wo Sie früher stundenlang in Haarnadelkurven hinter einem stinkenden Lastwagen hergefahren sind, sausen Sie jetzt in 20 Minuten quer durch den Gebirgsfuß. Es handelt sich um ein technisches Wunderwerk, bei dem 28 Millionen Tonnen Felsen abgetragen wurden. Aber es geht nicht nur um Ihre Urlaubsreise nach Italien.

Krieg gegen Lastwagen

Der wahre Grund für dieses Milliardenprojekt ist die ‚Alpeninitiative‘, ein Gesetz, das die Schweizer in den 1990er Jahren verabschiedet haben. Sie hatten die Nase voll von Dieselabgasen und Lärm in ihren Tälern. Das Ziel: Lkw vom Asphalt auf die Schiene zu bringen.

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Und verdammt, es funktioniert. Nach Angaben von Ecoticiaswerden 72 Prozent des gesamten alpenquerenden Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt. Die Zahl der Lastwagen auf der Straße ist im Vergleich zum Jahr 2000 um ein Drittel zurückgegangen. Ohne diese Tunnel würden jedes Jahr 650.000 zusätzliche Lastwagen durch den Gotthardpass donnern. Ein Alptraum für jeden Autofahrer (und für die Lunge der Bergbewohner).

Sicherheit in einem Bunker

Neben der sauberen Luft bieten die Tunnel einen weiteren Vorteil: Sicherheit. In einer sich aufheizenden Welt, in der es immer mehr Lawinen und Erdrutsche gibt, sind diese unterirdischen Röhren der sicherste Ort, an dem man sich aufhalten kann. Während oben die Züge (und Autos in den Straßentunneln) fröhlich unter der Erde fahren, wird oben die Straße von Unwettern weggefegt.

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Die Schweiz zeigt, wie man eine Infrastruktur mit einer 50-Jahres-Vision aufbaut, anstatt in vier Jahren bis zur nächsten Wahl. Das Ergebnis ist ein unsichtbares Land unter den Bergen, das dafür sorgt, dass Sie im Sommer nicht am Smog ersticken, sondern die Aussicht genießen können.

Bildquelle: Cooper.ch, via Wikimedia Commons – CC BY-SA 2.5

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